Über den Austausch der Lehrlinge mit der Bretagne kam der Franzose Hugues nach München. Sein Austauschpartner Kerem war bereits im März dort. Beide erzählen von den Aufgaben eines Karosseriebauers und was die Unterschiede zwischen französischen und deutschen Betrieben sind.

Niemals Routinearbeit – jedes Mal eine Herausforderung

Als Karosseriebauer braucht man ein gutes Auge und viel Liebe zum Detail, denn es ist Millimeterarbeit. Die neu eingebauten Teile müssen punktgenau in die alte Karosserie passen. Doch die Arbeit als Karosseriebauer ist niemals Routine. „Jeder Unfall ist anders, somit haben wir auch immer wieder neue Aufgaben zu lösen“, erklärt Kerem Beltekin, Azubi im 3. Lehrjahr beim Kfz-Betrieb Radi Ivanovic im Norden von München. Kerem macht die Arbeit besonders Spaß, weil es immer neue, spannende Herausforderungen sind. Neben den handwerklichen Aufgaben gefällt ihm vor allem die Arbeit im Büro und die Betreuung der Kunden. Er plant nach dem Ende seiner Lehre noch eine kaufmännische Ausbildung zu starten. Sein Traum ist selbstständig zu werden, und mit seinen Geschwistern, die auch im Kfz-Gewerbe tätig sind, einen Familienbetrieb zu eröffnen.

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Hugues und Kerem verbindet die Leidenschaft für Autos.

Andere Länder, andere Methodik

Die Arbeit eines Karosseriebauers besteht größtenteils darin, beschädigte Autos wieder „straßentauglich“ zu machen. In Deutschland und Frankreich gibt es jedoch Unterschiede in der Herangehensweise. Das liegt daran, dass die Ausbildung anders strukturiert ist. In Frankreich beinhaltet sie zusätzlich Elemente der Mechanik und Elektronik, anders als bei uns, denn hier ist Kfz-Mechatroniker ein eigenständiger Ausbildungsberuf. Das bedeutet das französische Karosseriebauer sich nicht nur um den äußerlichen Feinschliff der Autos kümmern, sondern auch schon mal am Motor schrauben. In Deutschland sind die Lehrlinge auf die Arbeit mit dem Wagenaufbau spezialisiert. Kerem und Hugues haben beide den Eindruck, dass in deutschen Betrieben daher mit mehr Perfektionismus geschuftet wird.

Autos werden auch anders wertgeschätzt. Bei uns sieht man sie als Luxusgüter und hegt und pflegt sie mit viel Leidenschaft, während in Frankreich oft nur der Nutzen im Vordergrund steht.

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Dieses Gerät schweißt alles zusammen.
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Karosseriearbeiten an einem Honda.

Der Austausch bringt die Kulturen zusammen

Doch egal welche Nationalität, als Karosseriebauer muss man in erster Linie passionierter Autoliebhaber sein. Diese Leidenschaft teilen sich auch Kerem und Hugues. Im Rahmen des Bretagne-Austausch haben sie die Möglichkeit, mit anderen Azubis aus ihrer Branche, sowie mit Lehrlingen aus drei anderen Gewerben in Kontakt zu treten. Neben der Arbeit in den einzelnen Betrieben bietet der Austausch ein umfangreiches Kultur- und Sightseeing Programm. Dieses Jahr haben sie eine Führung durch die Münchner Innenstadt unternommen und das BMW-Museum und Werk besichtigt – ein besonderer Höhepunkt für die Autofreaks. Nach einer Woche heißt es dann „Au révoir“ und die Franzosen treten die Heimreise an.

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Die beiden Azubis mit ihren Betreuern Andi und Arno.

Du bist neugierig geworden? Dann check unseren Berufe Wiki zum Thema Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in.

Du hast Interesse als Azubi in die Bretagne zu reisen und in französische Betriebe reinzuschnuppern? Informationen zum Lehrlingsaustausch gibt es bei Eva Sarnowksi, Telefon 089 5119-248 oder per Mail: eva.sarnowski@hwk-muenchen.de von der Handwerkskammer für München und Oberbayern und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk.

Infos zu den französischen Karosseriebauern gibt es auf ihrer Facebook Seite: CFA carrosserie Quimper.

Text und Fotos: Daniela Keller