Ob pralle Sonne oder Prasselregen – Dachdecker sind echte Wetterprofis. Sie wissen genau, wann ein Gewitter aufzieht und sie schleunigst wieder festen Boden unter den Füßen haben sollten. Genauso raffiniert sind sie beim Thema Sonnenschutz und beweisen viel Erfindergeist, um ihren Job bei Wind und Wetter ausüben zu können. Tipps und Tricks verrät uns heute Dachdecker Raphael Eckstein im Interview.

Hallo Raphael, wie sieht dein Tagesablauf als Dachdecker aus?

Die Tätigkeiten sind auf dem Dach sehr vielfältig: Wir verlegen auf dem Flachdach Dämmplatten und eine Folie, die als Abdichtung funktioniert. Die Folien werden thermisch verschweißt und lassen kein Wasser durch. Auf dem Steildach fangen wir meist damit an, Dämmung zu verlegen. Außerdem bilden wir die Unterkonstruktion aus Holz aus. Am Ende kommen die Dachziegel aufs Dach. Wir bauen sogar unser Gerüst selbst auf. Unsere Spengler führen alle Blecharbeiten aus, zum Beispiel hängen sie die Dachrinnen auf, in denen sich das Wasser vom Dach sammelt.

Welche Kleidung ist in deinem Beruf Pflicht?

In unserem Beruf sind die Sicherheitsschuhe der Klasse S3 vorgeschrieben. Diese haben eine durchtrittssichere Sohle und eine Stahlkappe. Wenn wir auf eine Dachlatte steigen, aus der ein Nagel herausragt, kann sich dieser nicht durch die Schuhsohle bohren. Wenn etwas Schweres auf den Fuß fällt, schützt die Stahlkappe vor schlimmeren Verletzungen. Wir haben auch eine persönliche Schutzausrüstung. Sprich Augen-, Ohren- und Knieschutz sowie Handschuhe.

Wie schützt ihr Dachdecker euch vor der Sonne?

Jedes Jahr bekommt unser Team Sonnencreme von uns, um sich vor der UV-Strahlung zu schützen. Auch einen Strohhut stellen wir bereit, damit alle einen kühlen Kopf bewahren. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter nicht ohne T-Shirt arbeiten. Ganz wichtig an heißen Tagen sind Pausen im Schatten. Sollte es extrem heiß sein, wird die Arbeitszeit auch mal runtergefahren. Wichtig ist auch, viel zu trinken! Natürlich nur alkoholfreie Getränke – andere sind in unserem Betrieb nicht erlaubt. Wasser ist einer Cola natürlich vorzuziehen.

Musst du auch bei Dauerregen aufs Dach? Oder gibt es dafür Spezialkleidung?

Wir haben unsere Regenjacken, aber bei Dauerregen bleiben wir zu Hause. An Tagen, an denen das Wetter für den ganzen Tag schlecht gemeldet ist, fahren wir oft gar nicht erst raus. Natürlich gibt es aber auch Tage, an denen wir zwei- bis dreimal nass werden, aber die Sonne kommt sofort wieder raus.

Erinnerst du dich an eine besonders gefährliche und eine besonders schöne Situation auf dem Dach?

Es gibt auf jeden Fall gefährliche Situationen, in denen man nicht auf dem Dach sein sollte. Ein Gewitter kann im Sommer sehr schnell aufziehen. Da heißt es schnell runter vom Dach. Aber auch ein heftiger Wind durch einen Sturm bringt große Gefahren mit sich. Bei extremen Wetterlagen sind wir selbstverständlich nicht mehr auf dem Dach.

Besondere Situationen sind sicher, wenn du um acht Uhr in der Früh auf einem Kirchturm sitzt und die Morgensonne aufgeht und du über einen ganzen Ort oder eine ganze Stadt blicken kannst. Und so schreibt jeder Tag eine neue Geschichte, weil du im Laufe des Jahres an sehr viele verschiedene Baustellen kommst, viele verschiedene Tätigkeiten ausführst und als Dachdecker immer wieder etwas erlebst.

Welche Gründe sprechen für eine Ausbildung zum Dachdecker?

Viele! Der Job ist sehr abwechslungsreich und du arbeitest mit deinem eigenen Körper. Toll ist, dass du deine Fähigkeiten gut einbringen und selbstständig arbeiten kannst. Aber auch Teamfähigkeit und Wertschätzung spielen bei uns Dachdeckern eine große Rolle. Gerade für junge Leute gibt es echte Zukunftsperspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten. Als Dachdecker hast du einen sicheren Arbeitsplatz: Handwerker sind sehr gesucht!