Hallo liebe Leser! Mein Name ist Vanessa Gurguta, ich bin 21 Jahre alt und ich mache derzeit ein Praktikum bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Da ich selber ein Hörgerät trage, dachte ich mir, ich erzähle euch doch gleich mal etwas von einem Handwerksberuf, der damit in Verbindung steht. Ratet mal, an welche Ausbildung ich denke! Genau, die Hörgeräteakustiker-Ausbildung!

Hierfür habe ich Hörgeräteakustikmeisterin Esther Fritz aus München, die mich nun schon seit über einem Jahr begleitet, und mir auch geholfen hat (nach zwei Jahren falscher Beratung bei einem anderen Hörgeräteakustiker), endlich das passende Hörgerät zu finden, ein Interview geführt.

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Liebe Frau Fritz, wie sind Sie auf den Beruf gekommen?

Lustigerweise durch meinen Ex-Mann! Er war auch mein Ausbilder, davor war ich Selbstständig. Ich konnte meine Ausbildung allerdings verkürzen, da ich bereits eine Vorbildung im Gesundheitlichen Bereich hatte.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Die Ausbildung hat viel mit Technik zu tun, deswegen sind gute PC-Kenntnisse und eine schnelle Auffassungsgabe wichtig, da es unzählige Programme gibt die zum Alltag dazugehören. Sogar ein wenig Physik und Chemie spielen hierbei eine Rolle. Für mich war die Ausbildung weniger schwierig, aber es ist wichtig einen guten Schulabschluss zu haben, Abitur ist nicht zwingend aber es wäre natürlich von Vorteil da es doch ein komplexer Beruf ist bei dem man auch viel Berechnen muss. Es werden ständig neue Einstellungen und Programme entwickelt, die Technik macht fortlaufend Sprünge. Du lernst in der Ausbildung auch, mit Werkzeugen umzugehen, die ähnlich wie bei einem Zahntechniker sind. Ein individuelles Ohrstück muss z.B. gegossen werden. Wichtig ist Feingefühl und handwerkliches Geschick. Damit dieses Ohrstück richtig funktioniert, braucht es eine entsprechende Bohrung. Wenn man sich nicht auskennt, kann es passieren, dass dieses bricht.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es in diesem Beruf?

Durch ein Studium, z.B. Elektrotechnik oder Ingenieurwesen. Jeder mit einer abgeschlossenen Ausbildung kann auch die Meisterprüfung machen und sich über die Innung zertifizieren lassen. Wichtig sind Fortbildungen, damit man immer auf dem neusten Stand ist und den Kunden immer die neuste Technik und die innovativsten Geräte auf dem Markt anbieten kann.

Welche Fähigkeiten sollten junge Menschen für diesen Beruf also mitbringen?

Handwerkliches Geschick, Feingefühl und Fingerfertigkeit auf jeden Fall, zudem sollten potenzielle Azubis unbedingt kommunikativ sein! Ich persönlich versuche mich immer in den Kunden einzufühlen. Eine Hörschädigung kann durch vieles zustande kommen. Manche fühlen sich dadurch eingeschränkt oder sogar krank. Als Hörgeräteakustiker musst du dem Kunden zuhören können, deswegen sollte man auch Geduld mitbringen. Zu dem Beruf gehören auch Telefonate, viel Post und ständige Kommunikation mit Herstellern und Kunden, also viel Verwaltung und Organisation.

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Wie sieht der typische Alltag eines Hörgeräteakustikers aus?

Morgens erst einmal alles vorbereiten, also die Akten und die Hörgeräte herauslegen. Die Post muss natürlich auch kontrolliert werden. Durch die enge Zusammenarbeit mit Krankenkassen müssen auch viele Anträge und Kostenvoranschläge gestellt werden. Bei Kunden selber nehme ich dann Anpassungen, Reparaturen sowie Reinigungen vor, nebenbei klingelt ziemlich oft das Telefon. Es werden Fragen beantwortet und Termine ausgemacht.

Wie ist das, mit Kunden in fast jeder Altersklasse zu arbeiten?

Über die Jahre eignet man sich Erfahrung an, jeder ist unterschiedlich. Natürlich sollte der Umgang mit Kindern kein Problem sein, aber auch Erwachsenen zeige ich von Anfang an, welche Möglichkeiten zur Hörverbesserung sie haben. Wichtig sind Einfühlungsvermögen, Ehrlichkeit und Aufklärung, so hat meine eine gute Basis für eine tolle Zusammenarbeit. In der Regel wird der Kunde vom Ersttermin bist zum Högerätekauf, was in etwa vier bis sechs Wochen in Anspruch nimmt, noch sechs Jahre weiter betreut. Da ist es natürlich schön, wenn beide Seiten happy sind.

Was macht Ihnen an diesem Beruf am meisten Spaß?

Es ist bei Kindern zum Beispiel toll zu sehen, dass diese gerne ein Hörgerät tragen und ihre Entwicklung dadurch auch vorangetrieben wird. Einfach zu sehen, dass man Erfolg hatte und damit einen anderen Menschen glücklich gemacht zu haben. Das gibt mir die Bestätigung, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe. Ich stelle mir immer selber den Anspruch: „Würde ich das tragen, wenn ich darauf angewiesen wäre?“. Das Hörgerät soll natürlich auch schön und diskret am Ohr sitzen und der Kunde muss sich wohl fühlen.

Sie meinen also, Hörgeräte können auch ein Schmuckstück sein?

Genau! Aus diesem Grund arbeite ich mit einer Freundin, die Goldschmiedin ist, zusammen an einem Projekt. Wir möchten, dass Hörgeräte auch edel aussehen können. Die Verbindung vom Hörgerät ins Ohr wird sozusagen ausgeschmückt. Ich trage diesen Schmuck auch selbst, obwohl ich kein Hörgerät brauche. Ich will wissen, wie der Hörgerät-Schmuck in der Öffentlichkeit ankommt. Sehr oft wurde ich schon angesprochen und habe Komplimente bekommen! Im Moment, haben wir schon ein paar Sets zusammengestellt, sogar mit passenden Ohrringen! Aber es sollen ganze Kollektionen entstehen. So ist für jedes Ohr etwas dabei!

Ihr seht also, es gibt unglaublich viel Spannendes in der Hörgeräteakustiker-Ausbildung zu entdecken! In dem Beruf arbeitet ihr ständig mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen. Wer also vielseitig und kreativ ist sowie immer etwas Neues lernen möchte – dann ist das genau das Richtige für dich.

Zum Schluss möchte ich ein ganz großes Dankeschön an die liebe Frau Fritz richten, die sich die Zeit hierfür genommen hat! Es hat mir ganz viel Spaß gemacht! Vielen herzlichen Dank, Ihre Vanessa Gurguta

Wenn ihr auf Facebook unterwegs seid, schaut doch auf dem Facebook-Auftritt von Hörgeräteakustikerin Esther Fritz vorbei.

© Fotos: Vanessa Duldner