Elena macht aus leise laut, aus undeutlich klar, aus dumpf hell. Sie ist Hörakustikerin und verhilft Menschen dazu, dass sie besser hören. Immer öfter hat sie aber auch Kunden, die lieber weniger Sound im Ohr wollen. Dann geht es um Gehörschutz.

Das Trommelfell kennt jeder. Viele können sich auch noch dunkel daran erinnern, dass es im Mittelohr einen Hammer, einen Amboss und einen Steigbügel gibt. Aber was sind die Scala tympani und die Scala media? Wo sitzt das Corti-Organ und wo die Cochlea? Und was haben diese kryptischen Begriffe mit dem Hören zu tun? „Das sind alles Bausteine des Innenohrs – auf Lateinisch“, erklärt Elena. „Die Cochlea ist zum Beispiel die Gehörschnecke.“ Gelernt hat sie diese Bezeichnungen unter anderem an der bundesoffenen Landesberufsschule für Hörakustik in Lübeck. Dort findet für alle deutschen Hörakustiker-Azubis der Theorieunterricht statt.

Neues Lebensgefühl von der Hörakustikerin

Funktioniert nur ein Teil dieses feingliedrigen Apparates im Ohr nicht, war es das mit dem guten Hören. Geräusche und Stimmen werden dumpf und verschwommen. Wie soll man sich da an einem Gespräch beteiligen? Oder einen Film anschauen, beim Videogame zocken, eine Sprachnachricht abhören? Geht ja gar nicht. Das findet auch Hörakustikerin Elena. „Jedes Mal, wenn das Gesicht eines Kunden zu strahlen beginnt, weil er plötzlich wieder klar hören kann, bekomme ich eine Gänsehaut“, lacht sie. Dann hat sie ihren Job perfekt gemacht.

Im Ohr oder hinter dem Ohr?

Nach einem Hörtest hat sie mit dem Kunden gemeinsam entschieden, welches Hörsystem sich für ihn am besten eignet. „Das kommt ganz auf die Lebensumstände an“, sagt sie und erklärt: „Zum Beispiel, ob man viel mit anderen zusammen ist, ob man im Büro arbeitet oder eher draußen, ob man gerne fernsieht und Musik hört.“ Je nach dem kommt dann ein Hinter-dem-Ohr-System (HdO) oder In-dem-Ohr-System (IdO) in Frage. Sie alle beinhalten inzwischen mehrere Mini-Computer. Viele lassen sich über eine App steuern. „Demnächst soll es sogar Geräte geben, die einem Übersetzungen aus einer fremden Sprache direkt ins Ohr flüstern“, schmunzelt Elena.

Hörgeräte im Selbsttest

Sie weiß, wie sich die Hörsysteme, die bei ihrem Arbeitgeber, Akustik Peschke in Nürnberg, angeboten werden, anfühlen und anhören. Schließlich hat sie alle selbst getragen und ausprobiert. „Das muss sein“, sagt sie. „Sonst kann ich nicht gut beraten.“ Elena zeigt ihren Kunden auch, wie sie die Systeme richtig bedienen und auf die jeweilige Situation anpassen können.

Neben dem Sinn für Technik und einer guten Portion Einfühlungsvermögen benötigt Hörakustikerin Elena für ihre Arbeit handwerkliches Geschick. Für die IdO-Hörsysteme, aber auch für Gehörschutzstöpsel muss sie Abdrücke von Gehörgang und Ohrmuschel nehmen. Dazu spritzt sie schnell härtendes Silikon in den Gehörgang. Danach fertigt sie im Labor des Betriebs ein individuelles Ohrstück aus Acryl.

Tatsächlich kommen immer mehr junge Leute zu ihr, die nicht mehr hören wollen, sondern weniger. „Viele wollen sich ihre Ohren nicht mehr kaputt dröhnen lassen auf Konzerten oder bei der Arbeit“, bestätigt sie. Cool findet sie auch InEar-Monitoring-Systeme: Diese benutzen Musiker auf der Bühne, um den eigenen Sound perfekt kontrollieren zu können.

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