Die Felsmassive in den Alpen – derzeit sind sie schneebedeckt. Sie kommen uns  monumental, gewaltig, trutzig, alt, durch nichts zu beeindrucken vor.  Stein kann aber auch empfindlich sein, filigran, zerbrechlich. Da braucht es eine Menge Fingerspitzengefühl, weiß Steinmetz und Steinbildhauer Tassilo aus Buchloe.

Das hat er erst unlängst wieder zu spüren bekommen. Als er nämlich beim Bundesleistungswettbewerb aus einem Sandsteinblock ein Eichenblatt samt Eichel und zwei Maikäfern herausarbeiten sollte. Prompt brach ihm ein Stück des Blattes weg. „Das war heikel“, erzählt er. Stein verzeiht nichts. Ist etwas weggeschlagen, ist das unwiederbringlich. Er bewahrte die Nerven. Indem er das Werkstück drehte, konnte er das Motiv retten. Und sich trotz des Malheurs auf den 2. Platz befördern. Das funktioniert wohl nur, wenn man liebt, was man tut.

Stein ist ehrlich und echt

Tassilo schätzt an der Arbeit mit Stein vor allem das Echte. Stein ist natürlich, authentisch, ehrlich. „Man schafft etwas, das einen selbst überdauert“, sagt er. Dieser Hauch von Ewigkeit beeindruckt ihn immer wieder neu. Dazu kommt die enorme Vielfalt. Es gibt unzählige Steinsorten, vom weißen Alabaster über Granit, Marmor und Quarzit bis hin zum Tonalit oder Travertin. Jeder Stein hat andere Eigenschaften und will anders bearbeitet und behandelt werden. Schiefer zum Beispiel bricht unheimlich schnell, Kalkstein mag keine Säure. Im Betrieb von Steinmetz und Steinbildhauer Dietmar Knacker in Mindelheim, wo Tassilo arbeitet, wird viel heimischer Stein verwendet wie Muschelkalk oder Nagelfluh.

Alte Pracht hervorzaubern

So unterschiedlich die Steine sind, so verschieden sind die Einsatzgebiete von Tassilo. Aus Steinblöcken Skulpturen herauszuarbeiten ist nur eines. Auch Restaurierungsarbeiten wie das Niederdruckstrahlen des Wittelsbacher Brunnens am Münchner Lenbachplatz stehen im Arbeitsplan. Der steht jetzt wieder in seiner ganzen Pracht da. Ebenso glänzen die alten Steinböden wie neu. „Die haben wir geschrubbt und gewachst“, erzählt Tassilo. Auch die schadhaften Stellen einer Ballustrade im Apothekerhof hat er mit ausgebessert. Außerdem arbeitet er als Steinmetz im Innenausbau, verlegt beispielsweise Steinböden oder stattet Bäder und Küchen mit Natursteinfliesen aus. Vor kurzem hatten seine Kollegen und er den Auftrag, für eine Villa drei Meter hohe ionische Säulen zu fertigen. Diese haben sie dann aus riesigen Blöcken Donaukalk herausgeschlagen. Ein cooler Job.

Von Steinsorten und Baustilen

„Man kann sich durchaus fordern und viel Wissen aneignen – egal welchen Schulabschluss man hat“, sagt Tassilo. Er selbst hat die Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer nach seinem allgemeinen Abitur an der FOS begonnen. Inzwischen hat er ein besonderes Faible für die verschiedenen Baustile entwickelt. Ein anderer Kollege erkennt jede einzelne Steinsorte durch bloßes Hinschauen und kann sämtliche Eigenschaften benennen, verrät er. „Bei der Fülle der unterschiedlichen Tätigkeiten findet jeder etwas für sich, das ihm besonderen Spaß macht“, sagt er.

Mehr darüber, was Steinmetze und Steinbildhauer tun, findet Ihr in der Berufe-Wiki. Viele von ihnen arbeiten in Dombauwerkstätten. Eine solche Werkstatt gibt es beispielsweise beim Ulmer Münster.