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Zum Welttag des Buches 2015: Buchbinder-Ausbildung und der Kaiser von China als Kunde

Keine Frage, wir befinden uns in einem digitalen Zeitalter: Millionen Menschen lesen ihre Zeitung inzwischen am Bildschirm und ihr Buch auf dem E-Book-Reader. Trotzdem ist das gute alte Buch aus unserem Leben nicht wegzudenken.

Pünktlich zum Welttag des Buches haben wir deshalb exklusiv für euch beim Buchbinder vorbeigeschaut. Was für die Buchbinder-Ausbildung wichtig ist und was euch im Berufsalltag erwartet, erzählt uns Stephan Gilch von der Buchbinderei Gilch.

Ein Paradies für Verpackungskünstler

Hinter der großen weißen Tür, in der in großen schwarzen Lettern „Der Gilch“ prangt, erwartet uns eine spannende Welt der Bücher: stapelweise Papier in den unterschiedlichsten Farben, teils antik aussehende Gerätschaften und zwischendrin konzentriert dreinblickende Buchbinder, die falzen, schneiden, heften und kleben. Ein Paradies für Schreibwaren-Fans, Buchliebhaber und Verpackungskünstler!

Buchbinder: Zeitloser Beruf

„Buchbinder ist ein zeitloser Beruf. Unsere Arbeit ist über 2000 Jahre alt und hat sich in ihren Grundzügen kaum verändert“, sagt Stephan Gilch, der Chef des Hauses, nicht ohne Stolz. Die Liebe zum Produkt Buch hält er für wichtig, muss Leseratten aber sämtliche Illusionen rauben: Selbstverständlich sei im Alltag keine Zeit, um die Inhalte der Bücher zu studieren. Dafür beschäftigen sich Buchbinder mit individuellen Aufmachungen und mitunter künstlerisch gestalten Einbänden oder edlen Schubern – je nach Auftrag und Wünschen der Kunden.

Der Scheich von Brunei und der Kaiser von China

Einzelstücke und Sonderanfertigungen je nach Gusto fabriziert „der Gilch“. Er prägt mittels Heißfolienverfahren, erstellt Schachteln, Alben oder bindet Diplomarbeiten. Die Kundschaft ist ein kunterbunter Querschnitt durch die Gesellschaft: vom Studenten, der seine Masterarbeit binden lässt, über Privatpersonen, die ihre Memoiren aufgeschrieben haben, bis zu namhaften Autoherstellern, die zu ihren Fahrzeugen hochwertige Bildbände im Schutzkarton mitliefern lassen. XTREME Randnotiz: Sogar der Scheich von Brunei und der Kaiser von China haben beim „Gilch“ bereits Produkte für ihre Zwecke anfertigen lassen.

Handwerkliches Geschick ist gefragt

Aber wer kann denn nun Buchbinder werden, Herr Gilch? „Im Prinzip jeder, aber ohne ein gewisses handwerkliches Grundgeschick wird’s schwierig.“ Aha! Und was brauche ich dafür sonst so? „Technisches Verständnis beim Schachteln bauen“, meint Mitarbeiterin Christina Bernhart. „Gespür für Papier und Leidenschaft fürs Handwerkliche“, sagt die Tochter des Hauses, Uschi Gilch, von Beruf ebenfalls gelernte Buchbinderin und „quasi in der Werkstatt aufgewachsen“. Sie liebt es, ein Produkt von A bis Z selbst – mit den eigenen Händen – herzustellen und zu gestalten. „Als Buchbinder schaffst du etwas Bleibendes. Und genau deshalb mag ich meinen Beruf.“

Lust auf eine Ausbildung zum Buchbinder bekommen? Wer sich noch unsicher ist, kann auch erstmal ein Schnupper-Praktikum machen, zum Beispiel beim „Gilch“. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.


Vanessa Metz | 23. April 2015


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