Schon mal etwas von Kappnaht gehört? Oder kennt Ihr eine Kedernaht? Letztere gibt es einfach und gesteppt. Falls nicht, dann kann Theresa euch das genau erklären. Sie ist Fahrzeugsattlerin. Diese Nähte gehören bei ihr zur täglichen Routine.

Da steht er, der schöne Wagen. Er hat zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und ein paar tausend Kilometer auf dem Tacho, doch der Motor läuft noch bestens. Auch die Farbe hat kaum gelitten. Ein Auto, das ans Herz gewachsen ist und treue Dienste geleistet hat. Wenn da nicht der abgenudelte Fahrersitz wäre. Der Lederbezug ist abgeschabt, vor allem auf der linken Seite, wo man beim Ein- und Aussteigen so gerne mit der vom Geldbeutel ausgebeulten Hosentasche d’rüber scheuert. Außerdem ist die Polsterung weich und schwammig geworden. Der Allerwerteste fällt eher in eine Kuhle als dass er auf einem straffen, ergonomischen Sitz Halt findet. Hier tritt Theresa auf den Plan. Denn das ist genau der Bereich, in dem sie als Fahrzeugsattlerin arbeitet.

Die Nähte machen es aus

Theresa gehört zu den Allroundern in ihrem Betrieb, der Sattlerei Scupin im schwäbischen Kaufbeuren. Sie nimmt sich vor allem Motorradbänke vor und Autositze. Wenn sie zum Beispiel zu weich sind oder zu hart, erhalten sie eine passende Polsterung. Wenn das Design nicht gefällt, gibt es einen neuen Bezug mit einer coolen Naht. Oder Theresa steppt, stickt oder lasert ein Logo, ein Emblem oder einen Schriftzug darauf. Auch ein Sofa zu polstern wäre kein Problem.

Womit wir wieder bei Kapp- und Kedernähten wären. Die verschiedenen Arten von Nähten spielen eine wichtige Rolle beim Design. Eine Kappnaht findet Ihr zum Beispiel am Beinabschluss Eurer Jeans. Dabei werden die Stoffenden gegenläufig umgeschlagen, sodass am Ende beide Schnittkanten innerhalb des Gewebes liegen. Bei einer Kedernaht wird eine Schnur umnäht, so dass ein schöner Abschluss entsteht. Diese befindet sich deswegen oft an den Kanten von Sesselpolstern – oder auch von Autositzen.

Der Duft von Leder

Theresa arbeitet oft mit Kunstleder, aber auch mit echtem Leder, meistens vom Rind, manchmal vom Büffel. „Echtes Leder liebe ich besonders“, schwärmt sie. „Allein schon der Geruch und dann fühlt es sich so weich und geschmeidig an.“ Vor kurzem hat sie eine Motorradbank mit Ziegenleder überzogen. „Da musste ich sehr aufpassen, denn Ziegenleder ist empfindlich, vor allem für Flecken“, erzählt sie. Sie hat die Herausforderung aber bestens gepackt. Das ist auch kein Wunder, denn Theresa war beim diesjährigen Leistungswettbewerb des Handwerks die beste Fahrzeugsattlerin Deutschlands. In Bremen traten nach der Gesellenprüfung Nachwuchshandwerker aus dem gesamten Bundesgebiet gegeneinander an. Außerdem räumte sie den ersten Preis im Sonderwettbewerb „Die Gute Form“ ab. Weshalb ihr die aktuellen Lehrlinge im Betrieb über die Schulter schauen dürfen und viele Tipps von ihr bekommen, obwohl sie erst 20 Jahre alt ist.

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