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Münchner Metzgersprung: Wasserschlacht am Fischbrunnen

Münchner Metzgersprung: Wasserschlacht am Fischbrunnen

Am 8. September gibt es am Münchner Marienplatz ein Riesenspektakel. Dann findet um 12.15 Uhr der Metzgersprung in den Fischbrunnen statt.

Wasser spritzt nach allen Seiten, es wird laut gejohlt, geschrien und gelacht. Im Hintergrund ertönt fröhliche Blasmusik. Hoch zu Ross thront das Münchner Kindl in seiner schwarz-gelben Kutte über dem Geschehen.

Viele Schaulustige werden wieder zum Fischbrunnen am Münchner Marienplatz kommen, um zuzusehen, wie griabig es zugeht, wenn die Metzgergesellen den Abschluss ihrer Lehre feiern. Dort im Wasser waschen sie sich zusammen mit den Metzgereifachverkäufern quasi von ihren Jugendsünden rein. Nicht alle natürlich. Das wären zu viele. Die besten Acht geben stellvertretend alles, damit auch die Zuschauer ordentlich etwas vom Nass abbekommen. Die halten deshalb gebührend Abstand. Manch einer, der bereits Erfahrung hat, bringt einen Regenschirm mit.

Eimerweise Wasser

Der Metzgersprung findet nur alle drei Jahre statt. Deshalb ist er wirklich etwas Besonderes. Nach einem Gottesdienst geht es in einem bunten Festumzug zum Marienplatz, wo festliche Reden folgen. Klar, dass auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter dabei ist. Dann stürzen sich die „Springer“ in das Becken des Fischbrunnens. Dort tauchen sie unter, planschen, spritzen und prusten. Schon cool, denn eigentlich ist das ja strengstens verboten. Eimerweise schleudern die Metzgergesellen das Wasser in die Umstehenden. Dabei sehen sie in ihren weißen, mit Kälberschwänzen behängten Shirts ziemlich wild aus. Keine Angst, es sind keine echten Kälberschwänze wie früher, sondern synthetische.

Beherzter Sprung

Apropos früher: Der Münchner Metzgersprung ist wahrscheinlich zeitgleich mit dem Schäfflertanz entstanden. Nach einer Pestepidemie lockten die Schäffler gemeinsam mit den Metzgern die verängstigten Münchner mit Tanz und Musik wieder aus ihren Häusern. Die Schäffler tanzten durch die Straßen und bewiesen so, dass die Luft rein war. Dass auch vom Wasser keine Gefahr mehr ausging, zeigten die Metzger mit einem beherzten Sprung in den Fischbrunnen. Als Dank dafür erhielten die Schäffler das Privileg, ihren Tanz alle sieben Jahre aufzuführen. Die Metzgerzunft durfte fortan ihre Lehrlinge in aller Öffentlichkeit am Faschingsmontag am Fischbrunnen freisprechen.

Bis 1928 wurde der Brauch am Fischbrunnen fortgeführt. Während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit fand der Metzgersprung nicht statt. Erst 1954 sprangen die Metzger einmalig wieder in das Bassin des Brunnes, nachdem der wieder aufgebaut worden war. Seit 1995 findet der Metzgersprung alle drei Jahre im September, immer am letzten Feriensonntag statt. Unser Tipp: Unbedingt hingehen!

Andrea Lexhaller | 6. September 2019
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