Edle Bücher flößen irgendwie Ehrfurcht ein. Man traut sich kaum, sie zu berühren. Wagt man es aber doch, möchte man sie nicht mehr aus der Hand legen. Auch Buchbinderin Susanne hat diese Faszination gepackt.

Es ist doch immer wieder erstaunlich: Alles kann man auf dem Tablet oder Smartphone lesen. Schnell wischt man von einer Information zur nächsten. Und doch steht man immer wieder wie gefangen in einer Buchhandlung vor den Büchern, vor allem wenn sie schön gebunden sind. Da gibt es vielleicht außen einen Einband glatt wie Seide. Die Buchseiten innen sind dagegen eher rau. Was für ein Kontrast, den die Fingerkuppen da erfühlen dürfen! Das hat auch Susanne für den Beruf eingenommen. Als Buchbinderin stellt sie nicht nur Bücher her – oder repariert sie. Nein, sie fertigt im Grund alles, was in irgendeiner Form mit Papier und Pappe zu tun hat: Das können auch Schmuckschatullen sein, Schachteln, Zettelkästen, Stiftboxen oder Buchkassetten und Fotoalben.

Archivschachteln für Notare

Die Spezialität der Buchbinderei Hertle, wo Susanne arbeitet, sind Urkundenkästen. In diesen Schachteln können Notare ihre Dokumente staubsicher lagern. Da gibt es zum einen Archivschachteln, die aus Pappe bestehen und mit Elefantenhaut (ein sehr reißfestes Papier) überzogen werden. Zum anderen hat die Buchbinderei Hertle noch eine spezielle Schachtelart entwickelt. Diese Schachteln werden seitlich durch Holz verstärkt und ebenfalls mit Papier überzogen. Sie werden außerdem mit einer Schublade versehen und angebohrt. Dadurch kann man sie später mit Metallstiften verbinden und zu Regalen aufbauen.

Vielfach hat Susanne auch mit Fachbüchern aus öffentlichen Bibliotheken zu tun. Diese werden mit einem schmutzabweisenden und strapazierfähigen Gewebeeinband versehen. Oder sie verbindet lose Fachzeitschriften, die über das Jahr hinweg gesammelt wurden, durch eine Klebebindung mit einander zu einem Jahrbuch. Es werden aber auch hochwertigere Einbände aus Leder, Pergament oder Gewebe bzw. Papier verlangt. Ebenso muss Susanne aber als Buchbinderin Bilder einrahmen können.

Buchbinderin
Archivschachteln werden zum Regal. Foto: Buchbinderei Hertle

Mit Ahle und Falzbein

Beim Buchbinden muss Susanne Fertigkeiten beherrschen wie Heften, Binden, Bohren, Prägen, Kleben, Kaschieren und Falzen. Mit einer Ahle, eine spezielle Nadel, werden in die gefalzten Lagen Löcher vorgestochen. Die Papierlagen wurden zuvor mit dem Falzbein oder mit einer Buchpresse niedergehalten. Danach werden die Lagen fadengeheftet. Das heißt, die Lagen werden mit einem starken Zwirn mit einander verbunden. Danach wird der Buchblock mit Packpapier hinterklebt, damiter stabiler ist.

Bayerns beste Buchbinderin

All dieses Know how hat Buchbinderin Susanne auch in ihr Gesellenstück gesteckt. Herausgekommen ist ein Buch mit einem wunderschönen Einband halb aus Leder, halb aus Buntpapier. Das Papier hat sie selbst marmoriert. Susanne ist das so gut gelungen, dass sie 2019 bei der Gesellenprüfung als Bayerns beste Buchbinderin abgeschnitten hat. Dazu beigetragen hat bestimmt auch, dass sie während ihrer Ausbildung ganz viel ausprobieren durfte. Ihr Highlight war ein Franzband, ein besonders aufwändiger Einband. Susanne durfte ihn sogar handvergolden. „Das ist eigentlich Meisterniveau“, erklärt sie begeistert.

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