Luisa und Julia Wiesneth sind Schwestern. Die eine hat eine Ausbildung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau. Die andere hat als Bankkauffrau gearbeitet. Beide haben danach umgesattelt und sich für eine Ausbildung zur Müllerin in der elterlichen Mühle, der Wiesneth-Mühle in Sambach, entschieden. In diesem Beruf fühlen sie sich angekommen und rundum wohl.

Den eigenen Weg gehen. Wissen aus der Schule in die Praxis umsetzen. Geld verdienen, Karriere machen. Für Julia Wiesneth bedeutete das nach dem Realschulabschluss die Ausbildung zur Bankkaufrau. Und sie war gut, sie war ehrgeizig. Also ging sie während der Lehre am Wochenende nochmal zur Schule und machte ihr Fach-Abi. Danach stieg sie zur Vorstandssekretärin bei der Raiffeisenbank Seebachgrund auf. Doch die Leidenschaft für den Beruf wollte sich trotzdem nicht so richtig einstellen. Sie brauchte einen Schnitt, klinkte sich aus und ging für fünf Monate nach Australien. Als sie wieder zurückkam, wusste sie, dass sie nicht wieder in die Bank zurückkehren wollte. Ihr Vater schlug ihr vor, es bei ihm in der Mühle mit einer zweiten Ausbildung zu versuchen. Julia willigte ein – und fing Feuer.

Hightech in der Wiesneth-Mühle

Die Vielfalt der Tätigkeit als Verfahrenstechnologin in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft, wie der Beruf des Müllers heute heißt, hatte es ihr angetan. „Auf der einen Seite hat man mit computergesteuerten Maschinen zu tun. Gleichzeitig lernt man super viel über das Lebensmittel Getreide. Man ist im Einkauf, im Verkauf, weiß, was die Qualität eines Mehls ausmacht“, schwärmt sie. Diese wird in einem eigenen Labor überprüft. Dort hat Luisa das Sagen. Sie ist die zweite im Schwestern-Double. Auch sie hatte zunächst eine andere Ausbildung absolviert, die zur Groß- und Einzelhandelskauffrau in einem Getreidelagerhaus. „Dass ich vielleicht später in die Mühle meiner Familie einsteige, hatte ich dabei schon so ein bisschen im Hinterkopf. Trotzdem wollte ich erst einmal was anderes machen“, schmunzelt sie. Die zweite Lehrzeit hat sie nicht einen Tag bereut.

Vom Landwirt zum Bäcker

Die Arbeit des Müllers ist unheimlich spannend und vielseitig. Er ist das Bindeglied zwischen den Bauern, die das Getreide anbauen, und den Bäckern, die das Mehl verarbeiten. Er muss über die verschiedenen Getreidesorten Bescheid wissen, aber auch, wie sich verschiedene Mehle beim Backen verhalten. Denn für ein fluffig knuspriges Croissant ist ein anderes Mehl nötig als für ein schweres Mischbrot. Von Vollkornbroten, Pizza, Pasta, Keksen & Co mal ganz abgesehen.

Karrieresprungbrett Mühle

Die Ausbildung ist das ideale Karrieresprungbrett. „Erstens werden Müller händeringend gesucht“, erklärt Julia. „Zweitens kann, wer möchte, auf den Gesellen noch den Meister oder Techniker draufsetzen. Schon die Lehre ist die perfekte Ausgangsbasis, um zum Beispiel Lebensmittelbiologie oder -technologie zu studieren. Das Grundwissen ist nämlich schon vorhanden.“ Sie selbst ist inzwischen für das Qualitätsmanagement zuständig. Die Wiesneth-Mühle ist ihre Leidenschaft. Für sie ist Mehl ist viel mehr als nur weißes Pulver.

Na, Interesse geweckt? Alles rund um den „Müller“-Beruf , der ganz offiziell „Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft“ heißt, findet Ihr im Berufe-Wiki.