Ein straffer Sportsitz im Auto, eine stylisch abgesteppte Motorradsitzbank, elegante Sessel im Privatjet: Als Fahrzeugsattlerin fertigt Johanna edle Ausstattungsteile.

Oldtimer sind einfach zum Niederknien! Da blitzt die Stoßstange aus Chrom, im frisch polierten Lack spiegelt sich dein Gesicht, der Motor tuckert in einem satten Bass. Drinnen duften die dunkelbraunen Ledersitze. Ein passendes Lenkrad, die Seitenverkleidung und der Schaltsack vervollständigen die luxuriöse Optik. Genau das ist Johannas Welt. Als Fahrzeugsattlerin kreiert sie das gediegene Interieur, das die Herzen von Autoliebhabern höher schlagen lässt.

Faszinierende Werkstattwelt

Schon während der Schulzeit hat sie sich für Autos interessiert. Dass Fahrzeugsattlerin ihr Beruf sein könnte, darauf kam sie über ein Praktikum. „All‘ die verschiedenen Sitze in der Werkstatt, die unterschiedlichen Materialien, die schönen Designs, einfach faszinierend“, erzählt sie. Also startete sie nach dem Abitur in die zweieinhalbjährige Ausbildung.

Die Nähmaschine ist Johannas Hauptarbeitsgerät. Ob Stoff, Leder oder Kunstleder, alles rattert unter dem Nähfüßchen hindurch. So entstehen zum Beispiel solide Kappnähte, die dafür sorgen, dass die einzelnen Stoffpartien fest zusammenhalten. Manche Zierstiche wie beim Lenkradüberzug führt Johanna mit der Hand aus. Für die Handnähte verwendet sie manchmal auch gewachste Fäden. Diese halten bei gröberem Leder besser. Für Outdoor-Polster eignet sich Baumwollgarn. „Das quillt bei Nässe auf und verschließt die Einstichlöcher“, erklärt sie. Johanna weiß, wovon sie spricht. Zu ihren Highlights während der Ausbildung gehörte die Ausstattung einer Yacht. Für den Innenbereich fertigte sie eine Sitzecke aus Stoff. An Deck wurden eine Bank benötigt sowie zwei elegante Schalensitze für die Fahrer aus weißem Kunstleder. „Ein toller Auftrag“, schwärmt sie.

Fahrzeugsattlerin
Ein wahres Schmuckstück, diese Motorradsitzbank von Johanna. Foto: Johanna Degen

Schablonen von den Einzelteilen

Mit Tacker, Schaumstoffsäge, Schleifmaschine und Klebepistole muss Johanna ebenfalls umgehen können. Auch mit dem Akkuschrauber. „Bei Reparaturen muss ich die Sitze auseinander- und wieder zusammenschrauben“, erläutert sie. Danach werden die Überzüge aufgetrennt und es werden Schablonen von den Einzelteilen gezeichnet, damit die neue Hülle auch passt. Zu ihren Arbeitsutensilien gehört auch das Falzbein. Das ist ein flaches, 12 bis 20 cm langes Stück Rinderbein- oder Walknochen. Damit werden Falten geglättet.

Beste Fahrzeugsattlerin Bayerns

Johanna genießt die Entwicklung von der Idee über das erste Muster, die verschiedenen Arbeitsschritte bis zum vollendeten Produkt. Die Leidenschaft für ihren Beruf hat sie bis in den Bundesentscheid des Leistungswettbewerbs gebracht. Dort trat sie als beste Fahrzeugsattlerin Bayerns 2019 gegen die anderen besten Gesellen ihrer Zunft an. Die Challenge: eine Motorradsitzbank anfertigen, ein Cabrio-Verdeckteil mit Scheibe und drei Handnähte ausführen – innerhalb von elf Stunden. Nicht schlecht! Johanna fand das mega: „Zwei Tage nonstop mit anderen Fahrzeugsattlern zusammen sein, sich austauschen. Und dann zeigen, was man kann – das war super!“, erzählt sie begeistert.

Klar, dass sie irgendwann noch ihren Meister machen möchte. Vielleicht studiert sie aber auch Kunststoff-, Leder- und Textiltechnik an der Hochschule in Pirmasens? Johanna stehen alle Wege offen.

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Titelfoto: © Anissa Wiener