Ein Klavierflügel hat etwas Magisches. Der schwarze, seidig glänzende Lack fordert geradezu dazu auf, mit der Hand darüber zu streichen. Der Klang beispielsweise eines Steinway-Flügels ist einzigartig. Dass dieser so bleibt, dafür sorgen Klavierbauer wie Florian oder Tanja.

Klavier Kreisel in Fürth ist ein wahres Mekka in Sachen Klavier. Zig verschiedene Instrumente füllen den riesigen, hellen Raum mit den roten Backsteinwänden: Vom edlen Flügel über das „normale“ mechanische Klavier bis zum Digitalpiano ist alles vertreten. Das Aussehen ist dabei ganz unterschiedlich, je nach Holzart, die für den Bau verwendet worden ist. Flügel und Klaviere bestehen zu 70 Prozent aus Holz, zum Beispiel Erle, Eibe, Rotbuche, Weißbuche, Ahorn, Fichte, Linde, Nussbaum. Deshalb beginnt die Ausbildung zum Klavierbauer mit der Materialkunde: Welche Hölzer gibt es? Welche Eigenschaften haben sie? Worauf ist bei der Auswahl zu achten?

Vorliebe für Holz? Es muss nicht immer Schreiner sein

Tatsächlich werden heute die meisten Klaviere in Serie und nicht mehr in kleinen Werkstätten gefertigt. Ein Klavierbauer und -stimmer muss trotzdem wissen, wie sie aufgebaut sind. Denn er muss defekte Teile nachbauen und austauschen können. Ohne fundiertes Fachwissen über das Innenleben geht da nichts. Der Klavierbauer lernt zum Beispiel einen Rasten zu konstruieren und herzustellen und vieles an Holzverarbeitung, was ein Schreiner auch können muss.

„Der Rasten ist das Grundgerüst“, erklärt Florian. Er hat seine Ausbildung zum Klavierbauer bei Klavier Kreisel im Frühjahr dieses Jahres abgeschlossen. Florian ist schon 34 Jahre alt und hatte sechs Semester Wirtschaftswissenschaften auf dem Buckel, bevor er mit der Ausbildung begann. Das Studium hat er zugunsten des Handwerks geschmissen. Er wollte lieber seinen Hang zur Musik und zum Klavierspiel mit der Leidenschaft für das praktische Arbeiten verbinden. Das hat auch Tanja begeistert. Sie ist seit einem Jahr Auszubildende bei Klavier Kreisel. Eigentlich ist das Klavier gar nicht ihr Instrument. Sie spielt Saxofon und hatte ein Musikstudium im Sinn. Doch die Kombi Handwerk – Musik fand sie reizvoller.

Klavierbauer: Das Stimmen muss immer wieder trainiert werden

Ein Musikinstrument zu spielen, ist keine Voraussetzung für die Ausbildung. Es macht das Ganze nur interessanter. Auch ein musikalisches Gehör braucht man nicht unbedingt. „Das lernt man“, sagt Florian. Von Anfang wird jeden Tag trainiert. Das Stimmen macht einen wesentlichen Teil der Arbeit aus. „Ich hätte nicht geglaubt, wie anstrengend das ist“, erzählt Tanja. Kein Wunder: Die Wirbel beim Klavier sind eher schwergängig, die Saitenlage insgesamt ist widerborstig – ganz anders als bei der Violine oder dem Cello. Da braucht es für den Klavierbauer Geduld und Ausdauer. Umso schöner das Gefühl, wenn man es doch gut hinbekommen hat. Plötzlich klingen die Stücke wieder harmonisch. Die Tasten laufen gleichmäßig, das „e“ hakt nicht mehr. Die Freude der Kunden ist für Florian und Tanja das größte Geschenk.

Wer mehr wissen möchte über den Beruf des Klavierbauers, findet Infos in der Berufe-Wiki.