Wenn es um Sahnetorten, Trüffelpralinen und die kleinen verbotenen Versuchungen geht, die sich Petits fours nennen, macht Konditorin Tamara keiner etwas vor. Sie ist in diesem Jahr bei der Nachwuchs-Weltmeisterschaft ihres Berufs angetreten. Dabei hat sie alle geschlagen bis auf den Konkurrenten aus China.

Sie gehören zu den besten Nachwuchskräften ihrer Zunft: die Teilnehmer der Weltmeisterschaft der Jung-Konditoren, die während der Internationalen Bäckereiausstellung iba im September in München stattgefunden hat. Mit dabei waren junge Menschen aus China, Japan, Taiwan, Norwegen, Island, Brasilien und Deutschland. Es war eine gewaltige Herausforderung, der sich Konditorin Tamara gestellt hat. Von Mai an hat sie trainiert, ihren Aufenthalt in Australien für die Teilnahme gar um ein Vierteljahr verkürzt. Am Ende haben sich die vielen Übungsstunden, die schlaflosen Nächte und die Aufregung gelohnt. Tamara musste sich nur Lyu Haoran aus China geschlagen geben.

Vorliebe fürs Backen und Kochen

Was treibt einen an, sich so weit zu pushen? Angefangen hat bei Tamara alles nach der Grundschule. „Ich war nicht gut und musste eine Aufnahmeprüfung machen, um auf die Realschule gehen zu können“, erzählt sie. Die ganzen Sommerferien hat sie gebüffelt und es geschafft. „Irgendwie ist da bei mir der Groschen gefallen. Ab diesem Zeitpunkt hat mir Leistung richtig Spaß gemacht. Entweder habe ich etwas ganz gemacht, mit Herzblut und Engagement, oder gar nicht“, blickt sie zurück. Der Zweig Ernährung war dabei genau ihrs, denn sie hatte schon immer eine Vorliebe fürs Kochen und Backen. Wenn es im Freundeskreis darum ging, jemanden mit einem besonderen Backwerk zu beglücken, war klar, dass Tamara das fabrizieren würde. Trotzdem entschied sie sich nach der Realschule gegen eine Konditorenlehre und für die FOS. „Das frühe Aufstehen, dass man keine schön gemachten Nägel mehr haben könnte, das hat mich abgehalten“, schmunzelt Tamara über ihre Beweggründe damals.

Gehöriges Talent

Ihre Leidenschaft hat sich schließlich aber doch Bahn gebrochen. Nach Fach-Abi und allgemeinem Abi (Notendurchschnitt 1,5) ploppte der Gedanke plötzlich wieder auf. Kurzentschlossen bewarb sie sich bei der Konditorei Widmann in München, die für sie zu den besten in Bayern gehört, um einen Ausbildungsplatz. Die Chefs haben anhand der Fotos ihrer Werke in der Bewerbungsmappe schnell erkannt, dass da ein gehöriges Talent schlummert. Schon nach dem ersten von zwei Probearbeitstagen hatte Tamara die Lehrstelle in der Tasche. „Des werd amal a Guade“, war sich der Senior-Chef Jakob Widmann sicher. Nun hieß es für die Rosenheimerin von heute auf morgen nach München umziehen. „Das war hart“, erzählt sie. „Gerade im ersten Jahr war ich manchmal nicht sicher, ob ich die Ausbildung durchhalten würde.“

Hat sie aber und ist daran gewachsen. So weit, dass die Konditorin zum Bundesentscheid für die Weltmeisterschaft der Jung-Konditoren antrat und danach zur Weltmeisterschaft selbst. Seit Oktober arbeitet sie in der Konditorei Wittl in Neumarkt in der Operpfalz. Die gehört der Familie ihres Freundes Max. Max ist ebenfalls Konditor. Dort bringt sie Kindern in Kursen das Konditorenhandwerk nahe. Die dürfen dann Pralinen fabrizieren sowie Kuchen und Torten backen. Im nächsten Jahr kommen im Rahmen von „Fit für die Prüfung“ Vorbereitungskurse dazu, in denen sie angehenden Konditoren Tricks und Kniffe für die Gesellenprüfung zeigt. Wie es dann weitergeht, ist noch nicht sicher. Auf jeden Fall ist Tamara für jede berufliche Herausforderung zu haben.

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