Zur Tracht gehört eine gscheite Lederhosen. Solche gibt es bei der Säcklerei Stangassinger in Berchtesgaden. Dort fertigen Vater Franz und sein Azubi, Sohn Max, zusammen mit 15 Mitarbeitern Beinbekleidungen, die ein echt griabiges Wiesn-Outfit abgeben.

Je nach Geschmack gibt es dunkle und helle Lederhosen, kurze, Knickerbocker oder lange. Grundlage ist immer ein gutes Hirschleder. „Den Unterschied zu den Billighosen merkt man gleich“, erklärt Franz. „Ein ordentliches Leder ist durch die spezielle Fettgerbung weich und anschmiegsam. Es riecht auch gut, weil keine Chemie eingesetzt wird.“ Überhaupt ist die Lederhose ein absolut natürliches Produkt. Gestickt wird mit Maulbeerseide. Der Kleber, der die Lederteile zusammenhält, wird aus Roggenmehl hergestellt. „Nur im Faden der Nähmaschine ist ein Polyesteranteil enthalten“, räumt der Meister augenzwinkernd ein.

Auch Sohn Max ist der Leidenschaft fürs Lederhosenmachen verfallen. Er ist 18 und jetzt im dritten Lehrjahr. Nächstes Jahr macht er seine Gesellenprüfung. Dass er das Geschäft mal übernehmen wird, war für ihn eigentlich immer klar. Die Arbeit macht einfach viel Freude, vor allem dann, wenn die Augen der Kunden begeistert leuchten.

Naturprodukt Lederhosen

Ein Lederhosenmacher oder Säckler, wie er richtig heißt, ist was ganz eigenes. So wie jede Lederhose ein ganz eigenes Trumm ist, zumindest die maßgeschneiderte. Der Beruf vereint die Fertigkeiten des Schneiders mit denen des Sattlers, der ja hauptsächlich mit Leder arbeitet. Die zugeschnittenen Einzelteile werden geleimt, gebügelt, bestickt und vernäht. 27 Stunden dauert es, bis eine Lederhose fertig ist. Den größten Teil, nämlich 13 bis 14 Stunden machen die Stickereien aus. Die Muster sind Tradition und werden seit der Betriebsgründung durch den Urgroßvater innerhalb der Familie weitergegeben. Sie sind sozusagen das Markenzeichen der Stangassingers. Die leuchtend grünen Ornamente auf den dunklen Hosen gefallen uns dabei besonders gut. Die Arbeit beinhaltet nicht nur das Fertigen. Auch Reparaturen sind dabei. Die älteste Hose, die der Franz in der Werkstatt hatte, war eine, die bereits sein Urgroßvater 1890 genäht hat.

Qualität braucht keine Werbung

Die Kunden von Franz und Max sind ein ziemlich buntes Völkchen. Viele kommen aus dem Münchner Umland, aber auch aus der Schweiz und Österreich bis rauf nach Wien. Da sind Trachtler dabei aus dem Berchtesgadener Land genauso wie bekannte Schauspieler, Adlige, Sportpromis und Wiesn-Wirte. Wer das genau ist, darüber bewahren die Stangassingers Stillschweigen. Egal wer, jeder oder jede bekommt seine individuelle Hose verpasst. Allerdings nicht mit jedem Motiv. „Einen Totenkopf sticke ich nicht auf die Hosenträger. Es muss schon was Traditionelles sein“, sagt Franz vehement. Schließlich stehen die Berchtesgadener Lederhosenmacher mit ihrem Namen für ihre Produkte ein. Die Qualität hat sich herumgesprochen. Deshalb brauchen sie auch keine Werbung – obwohl so ein handgefertigtes Beinkleid schon mal 2500 Euro kosten kann. „Dafür hat man’s dann seinen Lebtag“, relativiert der Säcklermeister. Max und er haben genug zu tun. Wer eine echte Stangassinger-Lederhose haben möchte, muss darauf momentan 18 Monate warten.

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Fotos: © Lederhosen Stanggassinger