Mitmachen beim Lehrlingsaustausch? Auf jeden Fall, sagten sich die Azubis Georg, Lea und Isabell und reisten Ende März für eine Woche in die Bretagne und arbeiteten in Berufsschule und in Betrieben mit.

Neben der französischen Handwerkswelt lernten sie auch Land und Leute kennen und genossen vor allem das gute Essen und die überwältigende Gastfreundschaft im Nachbarland. Alle drei sind begeistert vom Lehrlingsaustausch – sie verraten euch auch, wie sie während des Aufenthaltes viel lernen konnten und das trotz Sprachbarrieren.

Georg, Metzgerlehrling: Einblicke in das Arbeiten als Metzger in Frankreich

„Ich wollte mein Handwerk in einem Land kennenlernen, das in punkto Esskultur und Lebensmittelproduktion weltweit spitze ist.

Ein großer Unterschied ist, dass französische Metzger in drei Berufen arbeiten. Der Hauptberuf ist der boucher, ein Metzger der nur Fleisch zerlegt und ladenfertig zuschneidet und dies bis zur Perfektion lernt, teilweise auch verkauft.

Um einen Laden zu eröffnen und den Rang eines Meisters zu erhalten, muss man zusätzlich eine Ausbildung zu einer Art Koch, der lediglich küchenfertige Produkte für den Verkauf herstellt und eine Ausbildung zum Wurstmacher der Brüh-, Koch-, und Rohwürste herstellt, absolvieren.

In Bayern bzw. Deutschland lernt man diese Berufe in einer Ausbildung, die natürlich viel kürzer ist. Zusätzlich lernen viele deutsche Metzger auch noch das Schlachten von Tieren, da es besonders in Bayern doch noch zahlreiche Betriebe gibt die selbst schlachten.

Neu für mich war, dass die Bretonen sehr mageres Rindfleisch bevorzugen und somit Fleisch ohne eingelagertes Fett und anliegendem Fett gegessen wird. Ganz im Gegenteil zu Deutschland, wo gerade das eingelagerte Fett, beispielsweise in der Lende als Geschmacksträger dient. Bretonische Spezialitäten waren vor allem die Würste, zum Beispiel Merguez und einige Schweinswürstel die lediglich mit Salz und Pfeffer gewürzt sind. Besonders auffällig war auch der große Bedarf an magerem Rindfleisch für Tatar, da sehr viel Boeuftatar gegessen wird, das sind Buletten aus Rindfleisch mit möglichst wenig Rinderfett.

Ich konnte auch Land und Leute und das Leben in der Bretagne ein wenig kennenlernen. So kann ich behaupten, dass diese Woche in der Bretagne mir mehr vom französischen Leben gezeigt hat als es ein dreimonatiger Urlaub am Meer es je bewirkt hätte. Mit der Sprache war es zwar nicht so leicht, denn nur der Englischlehrer und ein Austauschlehrling konnten Englisch. Ich persönlich hatte Glück, dass mein Austauschpartner genau der eine war. Es ist faszinierend wie man sich mit ein paar Brocken Französisch, Englisch und Deutsch recht ordentlich verständigen kann.“

Lea, Friseurlehrling: Hochsteckfrisuren und zum Mont-Saint-Michel

„Ich war zum ersten Mal in Frankreich und bis auf einen Basis-Französisch-Kurs in der Handwerkskammer in München habe ich von der französischen Sprache wenig Ahnung. Trotzdem hat die Verständigung super geklappt, im Betrieb aber auch mit meiner französischen Gastfamilie in Dinan. Meine Austauschpartnerin heißt Celine und wir haben uns sehr gut verstanden. Der Friseurladen, in dem ich in Frankreich war, ist viel kleiner als mein Lehrbetrieb in Oberbayern. Er hat nur vier Plätze. Bei den Frisuren wird sehr viel Wert auf das Hochstecken der Frisuren gelegt, nicht nur für festliche Anlässe. Wir konnten auch in der Berufsschule am Unterricht teilnehmen: Dort lernten wir eine Strähnen-Färbetechnik mit kleinen Holzbrettchen kennen.

Wir haben auch einen Ausflug zum Mont Saint-Michel gemacht. Ganz toll ist auch die Gastfreundschaft der Franzosen. In meiner Familie wurde abends immer spät gegessen und das Essen hat länger gedauert als bei uns in Deutschland. Für mich als Vegetarierin gab es auch immer etwas Leckeres. Alles in allem ist so ein Austausch eine riesige Chance. Wir wurden von unserem Berufsschullehrer über diese Möglichkeit informiert. Ich habe das auch mit meinen Eltern besprochen und mich dann beworben: Ich kann das nur allen Lehrlingen empfehlen!“

Isabell: Lehrlingsaustausch ins Land der besten Patisserie

Tarte tatin, éclairs, macarons – diese Köstlichkeiten wollte die angehende Konditorin Isabell im Land der Patisserie kennenlernen.

„Die französische Patisserie ist ganz anders: Es wird noch viel mehr Wert auf Details gelegt und so entstehen Kunstwerke im Kleinformat. Es schmeckt vieles auch ganz anders. Die Pralinen zergehen einem auf der Zunge, es ist ein Hochgenuss! Mit meinem Austauschpartner durfte ich in einer Patissierie in Rennes mit Chocolatier-Abteilung mithelfen. Mein Austausch-Partner absolviert dort nämlich eine Zusatzausbildung als Chocolatier.

Kurz vor Ostern haben wir dort verschiedene „Osterthemen“ umgesetzt. Wir haben Hasen aus verschiedenen Eiformen zusammengesetzt, haben Picasso-Eier hergestellt, aber auch mit Pralinen gefüllte Zirkustiere. In der Schule in St. Brieux ging es dann an die Macarons, Pralinen mit Salzkaramell, Zitronentarteletts oder Windbeutel mit Zitronencreme. Ich lernte auch, wie man bretonischen Plunderteig herstellt. Große Torten, die es in deutschen Konditoreien gibt, kennt man in Frankreich nicht. Das ist der große Unterschied.

Ich kann so einen Aufenthalt nur jedem Lehrling empfehlen: Abgerundet hat unseren Aufenthalt die Ausflüge. Die Bretagne mit ihren Felsküsten ist wunderschön. Wir wurden auch sehr oft zum Essen eingeladen und es war unglaublich lecker.

Neugierig geworden? Informationen zum Lehrlingsaustausch gibt es bei Eva Sarnowksi, Telefon 089 5119-248 oder per Mail: eva.sarnowski@hwk-muenchen.de von der Handwerkskammer für München und Oberbayern und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk. Es hat auch diese Reise unterstützt.

Fotos: © Isabell König, Tobias Bickel