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Orgel- und Harmoniumbauerin Christina: The sound of music

Flöten, Posaunen, Streicher: Der Klang einer Kirchenorgel kann ein ganzes Orchester ersetzen. Hier ist Orgel- und Harmoniumbauerin Christina voll in ihrem Element.

Jede Orgel hat ein Herz: die Windlade. Sie verteilt den Luftzug, der durch das Treten der Bälge entsteht, gleichmäßig auf die Pfeifen. Die Bälge sind gleichsam die Lungen. Wer als Ministrant oder Ministrantin zum Orgeltreten verdonnert wurde, kennt das. Ohne Luft kein Ton. Wie eine Orgel dann klingt, hängt von der Anzahl und der Größe der Pfeifen ab. „Meistens werden neue Orgeln nach historischen Vorbildern gebaut“, erzählt Christina. Um den ausgefallenen Beruf der Orgel- und Harmoniumbauerin zu lernen, hat die Osttirolerin ihre Heimat verlassen und ist nach Nußdorf gezogen. Dort baut Alois Linder mit seinem Team Kirchenorgeln. Eine bis zwei schaffen sie pro Jahr. Dazu kommen Restaurierungen und Reparaturen. „Alle zehn Jahre muss das Innenleben einer Orgel von Staub, Spinnweben und toten Insekten gereinigt werden“, erklärt Christina.

Filigrane Mechanik

Jeder Mitarbeiter von Alois Linder hat sein Fachgebiet, denn eine Orgel ist ein sehr komplexes Instrument. „Da gibt es zum Beispiel Monika. Sie ist unsere Expertin für die Blasebälge und die Lederarbeiten“, veranschaulicht Christina. „Dann gibt es einen Kollegen, der sich um die Traktur kümmert, also um die komplette Mechanik, von der Taste bis zu den Ventilen.“ Die meisten Teile werden im Betrieb selbst hergestellt. Nachdem vieles aus Holz ist, fallen vor allem Schreinerarbeiten an. Während das Gehäuse vielfach aus weicher Fichte gebaut wird, braucht es für die stark beanspruchten Teile Hartholz wie Eiche, Birne oder Nussbaum. Die Metallpfeifen fertigt ein Betrieb in Simbach. Sie bestehen aus einer Legierung aus Blei und Zinn. „Da muss ein Spezialist ran“, grinst Christina. Auch verschiedene Edelstahlstifte und die Ledermuttern, die anstelle von Metallmuttern zum Einsatz kommen, werden zugekauft.

Orgel- und Hamoniumbauerin sorgt für klare Töne

Während ihrer Ausbildung hat Christina die verschiedenen Stationen des Orgelbaus kennengelernt. Nun ist sie zwar Gesellin, hat aber noch längst nicht ausgelernt. Vor allem die Intonation möchte sie noch vertiefen. Deshalb begleitet sie momentan oft ihren Kollegen Michael, der die Orgeln vor Ort stimmt. Michael ist Orgelbauer und Kirchenmusiker. Er weiß genau, worauf es beim Klang ankommt, und erkennt, ob die Töne rein sind oder sich schief anhören. Auch Christina beherrscht das Orgelspiel. Das hat sie auf dem Musikgymnasium gelernt. „Was natürlich ein Vorteil ist“, sagt sie.

Historische Orgel

Wird eine Orgel restauriert, schwingt immer ein Hauch von Geschichte mit. Deshalb hat Christina vor allem die Arbeit an der Orgel auf Herrenchiemsee schwer beeindruckt. „Diese Barockorgel ist 350 Jahre alt. Wir mussten sehr behutsam vorgehen. Nun klingt sie wieder so, wie sie es ursprünglich getan hat“, schwärmt sie. Christina möchte noch viele verschiedene Kirchenorgeln kennenlernen. Deshalb hat sie vor, noch zwei bis drei weitere Jahre bei Linder zu arbeiten und dann ins Ausland zu gehen. Danach steht die Meisterschule auf ihrem Plan. Den Grundstein dafür hat sie als beste Gesellin Bayerns und drittbeste bundesweit bereits gelegt.

Text: Andrea Lexhaller


Birgit Kirstein | 19. März 2021


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