Einlagen für Schuhe hat fast jeder schon einmal gebraucht. Manchmal reichen diese nicht aus. Dann müssen speziell angepasste Schuhe her. Wann und warum, das weiß Johanna. Sie lernt Orthopädieschuhmacherin.

„Autsch, autsch und nochmal autsch. Nach drei Stunden Herumlaufens in der Stadt tun mir die Füße ganz schön weh. Und nicht nur das: Meine Knöchel schmerzen ebenfalls. Klar, ich hätte meine Einlagen in die Schuhe schieben müssen, die ich wegen meiner Knick-/Senkfüße tragen soll. Aber für Ballerinas sind die einfach zu dick. Also nehme ich die schmerzenden Füße und Gelenke in Kauf.“ Johanna stellen sich bei diesem Szenario regelmäßig die Nackenhaare auf. „Es gibt inzwischen ganz dünne Einlagen, die hübsch aussehen und dafür sorgen, dass die Ferse aus den Ballerinas nicht herausschlüpft“, erklärt sie. Das weiß sie, weil sie gerade eine Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin absolviert und klar: selbst solche Einlagen hat.

Die Spezialität der Orthopädieschuhmacherin sind Füße

Ob Knick-, Senk-, Spreiz- oder Hohlfuß, Fersensporn, Krallenzehen und so weiter – Johanna kennt sämtliche Fehlstellungen. Und sie weiß, wie schnell diese unbehandelt zu schweren Knie- und Rückenleiden führen können. Füße sind Johannas Spezialität, genauso wie Schuhe. Denn bei vielen Menschen sind die Probleme so schwerwiegend, dass Einlagen nicht ausreichen. In diesem Fall werden die Schuhe so zugerichtet, dass sie die Fehlstellung perfekt ausgleichen. Oder es werden komplette Schuhe neu gefertigt. Wer dabei an altbackene braune Treter denkt, irrt gewaltig. „Das kommt schon auch vor“, sagt Johanna augenzwinkernd und betont: „Eigentlich lässt sich jeder Wunsch erfüllen, egal ob Sneaker, Budapester oder leichter Damenschuh.“ Bei Orthopädietechnik Bernwieser, ihrem Ausbildungsbetrieb, lernt sie die traditionelle Handwerkskunst eines Schuhmachers. Das heißt, sie schneidet Leder zu, schleift, nagelt, zwickt und sägt. Im Moment besteht ihre Hauptaufgabe darin, Schuhe zu reparieren.

Reflexzonenmassage beim Gehen

Gleichzeitig kommt aber auch Hightech zum Einsatz. Schließlich müssen die Füße – egal ob Einlage, Schuhzurichtung oder Maßschuh – vorher genau vermessen werden. Das geschieht mittels eines elektronischen Fußscans. In manchen Betrieben wird sogar ein 4-D-Wirbelsäulenscan benutzt. Das Bild zeigt die Fußsohle samt der eventuell vorhandenen Druckpunkte. So erkennt Johanna, wo sich die Problemstellen befinden und kann die Sohlen entsprechend anfertigen.

Nah am Menschen

Johanna ist es vor allem wichtig, dass ihre Kunden sich bei ihr gut aufgehoben fühlen. Bei der Beratung braucht sie immer wieder großes Einfühlungsvermögen. Denn es kommen nicht nur Kinder, die Einlagen benötigen, sondern auch Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten. Johanna findet es wunderbar, wenn sie ihnen helfen kann. „Es ist so schön, wenn ein Kunde sich freut, weil ich eine Erhöhung so im Schuh verstecken konnte, dass man sie gar nicht sieht“, schwärmt Johanna. Das ist ihr Highlight. Dann ist Aktion Leichtfuß bestens geglückt. Für sie ist klar, dass sie nach ihrer Gesellenzeit noch die Meisterausbildung draufsetzt. Danach kann sie sich ein Studium vorstellen. Ihr Traum ist es, später den elterlichen Betrieb Pro Pedes Klapka in Meitingen zu übernehmen.

Hier kannst du Johanna in „Echte Fragen – Echte Antworten“ sehen.