Stephan ist der lebende Beweis: Eine Amputation bedeutet nicht das Ende. Als Orthopädietechniker baut er seine Prothesen selbst. Mit ihnen bestreitet er dann Events wie die Extremity Games im Mountainbike Downhill für amputierte Sportler in den USA.

Egal ob Radfahren, Laufen, Wellenreiten oder Surfen – Stephan liebt die sportliche Herausforderung. Seine Leidenschaft gilt Downhill-Rennen mit dem Mountainbike. Er hat schon an vielen teilgenommen, demnächst steht eines auf der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean auf dem Programm. Dass sein rechter Unterschenkel fehlt und durch eine Prothese ersetzt ist, merkt man dabei nicht. Sogar er selbst vergisst das tagsüber oft. „Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, ob die Prothese das mega Hightechteil ist. Sie muss perfekt zu einem passen und die eigenen Bedürfnisse abdecken, das ist wichtig. Danach hängt es von der eigenen Einstellung ab, wie gut man zurechtkommt“, betont Stephan. „Es gibt Menschen, die so gut laufen, dass niemand vermuten würde, dass sie unter dem Hosenbein eine Prothese haben“, meint er mit einem Augenzwinkern. Allerdings dauert es bis man soweit ist. Es braucht viel Ausdauer, viel Energie und einen großen Willen. „Ein Mensch mit Prothese muss 40 Prozent mehr Kraft aufwenden als ein ‚Zweibeiner‘, um genauso flüssig zu laufen“, weiß der Sportler.

Fachwissen durch die Ausbildung zum Orthopädietechniker

Stephan lebt seit seiner Krebserkrankung vor gut 20 Jahren mit seinem Handicap, welches ihn nicht davon abhält, sportlich zu Höchstleistungen aufzulaufen. Aber nicht nur das macht ihn zum Experten. Dazu kommt, dass er gelernter Orthopädietechniker ist. Er kennt sich aus mit den verschiedenen Mobilitätsgraden nach einer Amputation. Die Skala reicht von „gering“ bei Menschen, die sich nur drinnen bewegen, bis „besonders hoch“ bei Leistungssportlern. Von dieser Einstufung hängt es ab, welche Prothese man benötigt. Da gibt es eher einfache, wasserfeste und welche mit bionischen Kniegelenken. Manche sind mikroprozessorgesteuert. Es gibt solche, die eher für den Alltag taugen und solche für spezielle Sportarten – Hunderte von Varianten stehen zur Verfügung. Eine Prothese setzt sich aus mehreren Einzelteilen zusammen. Diese können unterschiedlich miteinander kombiniert werden. Stephan beispielsweise hat drei Prothesen, die er alle selbst angefertigt hat: eine für den Alltag, eine für sein Lauftraining und eine, mit der er seine Mountainbike-Rennen fährt.

Netzwerk rund um das Leben mit Prothese

Stephan arbeitet inzwischen nicht mehr als Orthopädietechniker. Vor einigen Jahren hat er in Kiel, wo er lebt, das Netzwerk Exoprothesennetz.SH gegründet. Dieses hilft amputierten Menschen, sich in dem neuen Leben mit Prothese bestmöglich einzurichten. Dabei ist Stephan Ansprechpartner für sie selbst, ihre Angehörigen, ihre Arbeitgeber, aber auch für Physiotherapeuten, Orthopädietechniker und Ärzte. Er hält engen Kontakt mit Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen. Immer wieder ist er in ganz Deutschland unterwegs, um Fachvorträge zu halten. Denn wer könnte das besser als er – the living experience?

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