Aus einer einfachen Bohle ein Regal zu fertigen, eine Schranktür oder eine Bank – Ulrike liebt das Werken mit Holz. Dabei kann man ihr sogar zuschauen: unter „Schreinermädchen“ auf Instagram. Dort postet sie seit Januar immer wieder, was ihre Arbeit ausmacht.

Auf die Idee mit der Schreinerlehre hat Ulrike ein deutscher Zimmermann in Australien gebracht. „Schon bemerkenswert“, lacht Ulrike. „In Deutschland bin ich nicht darauf gekommen.“ Handwerk war kein Thema bei ihr am Gymnasium – und zuhause auch nicht, mit einer Oberärztin als Mutter und einem Kunsthistoriker als Vater. Dort drehte sich alles nur ums Studieren. Doch Ulrike fühlte sich davon nicht so richtig angesprochen und ging erst einmal auf Reisen. Nach dem Gespräch mit dem Zimmerer war Ulrike wie elektrisiert. Selbst etwas erschaffen, mit den Händen arbeiten, das wäre es doch! Noch von Australien aus googelte sie nach Schreinerbetrieben zuhause und vereinbarte ein Praktikum für die Zeit nach ihrer Rückkehr.

Schreinermädchen: Mit Grips und Kreativität

Inzwischen befindet sie sich im 2. Ausbildungsjahr. Sie ist sich sicher, dass sie genau ihren Beruf gefunden hat. Momentan arbeitet sie zusammen mit einer anderen Auszubildenden vor allem in der Werkstatt. Dort tüfteln die beiden aus, wie sie die Aufträge, die sie von ihrem Chef erhalten, am besten umsetzen. „Meistens gibt es eine Zeichnung, wie das Ergebnis aussehen soll“, erklärt Ulrike. „Dann planen wir die einzelnen Arbeitsschritte: Welches Material brauchen wir? Wie viel davon und in welchem Zustand? Welche Maschinen nutzen wir in welcher Reihenfolge?“

Was sie fertigen sollen, ist ganz unterschiedlich: Mal ist es eine Küchenbank aus massiver Eiche für einen Privatkunden, mal ein schlichtes Regal aus Pressspan mit einer dünnen Schicht aus Furnierholz für einen Laden. „Oder es werden 50 Kinderstühlchen für einen Kindergarten bestellt“, beschreibt Ulrike die Bandbreite der Aufträge. Dass sich die beiden Azubis selbst überlegen müssen, wie sie an die Arbeiten herangehen, findet Ulrike super. „Klar passieren dadurch Fehler. Wir haben schon mal einen Arbeitsschritt vergessen“, gibt sie zu. „Das kommt dann aber beim nächsten Mal nicht mehr vor“, betont sie.

Raffinierte Details

Bis zu ihrer Gesellenprüfung hat sie zwar noch Zeit, aber sie macht sich jetzt schon Gedanken über ihr Gesellenstück. Ihr schwebt ein kleines schlichtes Möbel vor, ohne großen Materialaufwand, aber mit raffinierten Details. Solche Stücke kann man auch auf ihrem Instagram-Profil „Schreinermädchen“ finden. Dort zeigt sie, dass der Schreinerberuf keineswegs nur etwas für Jungs ist.

Bei ihrer Zukunftsplanung setzt Ulrike vor allem auf Weiterbildung. Schon jetzt macht sie parallel zu ihrer Ausbildung eine Fortbildung zur „Managementassistentin HWK“, kurz „MiH“. Dabei geht es vor allem um Betriebswirtschaft und Management. Der Umgang mit CNC-Maschinen würde sie ebenfalls interessieren. Vielleicht packt sie aber auch noch einmal das Fernweh und sie geht ins Ausland. „Drei Monate zu erleben, welche Techniken es in anderen Ländern bei der Holzbearbeitung gibt, wäre cool“, lacht sie.

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