Einen Allerweltsberuf wollte Jasmin auf keinen Fall. Das war ihr schon während der Schulzeit klar. Nach einem Tag Probearbeiten als Textilgestalterin stand für Jasmin fest: Das würde sie nach der mittleren Reife machen. Mit dieser Entscheidung ist sie super happy.

Kirchenbanner, Vereinsfahnen, Wimpel und Standarten (kleine quadratische Fahnen, die früher meist vom Militär benutzt wurden) in den unterschiedlichsten Formen und Farben: Das ist Jasmins Welt während ihrer Ausbildung zur Textilgestalterin. Diese absolviert sie bei Fahnen Kössinger in Schierling bei Regensburg. Jasmin lernt den Beruf in der Fachrichtung Sticken. Im Moment fertigt sie Mittelbilder. Diese zieren, wie der Name verrät, die Mitte einer Fahne oder eines Banners. Die Stickmaschine, die sie dafür benutzt, sieht aus wie eine Nähmaschine. Der Stoff darunter lässt sich jedoch frei bewegen. Die Bilder, die entstehen, sind meistens sehr filigran. Sie zeigen zum Beispiel Landschaften, Blumen, Symbole, Tiere wie Adler oder Hirsch, und klar: Heilige. „Feuerwehren nehmen gerne den Sankt Florian als Motiv“, weiß Jasmin.

Verschiedenste Sticktechniken

Unzählige Stickgarne in den verschiedensten Schattierungen kommen zum Einsatz. „Für die Auswahl braucht man ein ziemlich gutes Farbgefühl“, erzählt Jasmin. Dafür verantwortlich zu sein, dass ein vorgegebenes Motiv später möglichst originalgetreu als Stickbild erscheint, begeistert sie immer wieder. Je nach dem, was gestickt werden soll, verwendet eine Textilgestalterin verschiedene Sticktechniken. Der Schiebestich eignet sich gut für flächige Bilder, der Steppstich für Umrandungen und Bildkonturen. Den Plattstich verwendet Jasmin für Schriften. „Mit dem Kniehebel der Maschine bestimme ich dabei die Stichbreite“, erklärt sie.

Textilgestalterin
Auf die Farbauswahl kommt es an. Foto: Fahnen Kössinger

Wenn die Textilgestalterin kurbelt…

Dann gibt es noch das Kurbeln. „Dabei kommt der Faden von unten und wird mit einer speziellen Nadel, ähnlich einer Häkelnadel, nach oben gezogen“, erläutert Jasmin. Dadurch entstehen winzige aneinandergereihte Schlaufen. Das ist der sogenannte Kettstich. Diese Technik wird vor allem verwendet, um alte Stoffe zu erhalten. Denn auch das Restaurieren von Fahnen und Wimpeln gehört zu Jasmins Aufgaben. Später in ihrer Ausbildung wird Jasmin auch das Sticken mit der Hand noch erlernen. Dann wird sie die kunstvolle Cantille-Stickerei beherrschen. Dabei werden Stückchen einer echt vergoldeten hohlen Metallspirale, der Cantille, zu Buchstaben oder auch Zahlen verarbeitet. Überhaupt kommt Jasmin mit den wertvollsten Stoffen in Berührung: Nicht selten sind die Fahnen & Co. aus Samt, Seide oder Brokat.

Stolz auf einen außergewöhnlichen Beruf

Jasmin liebt ihre Tätigkeit. Deswegen freut sie sich so, dass sie im Blog von ihrem außergewöhnlichen Beruf berichten darf. „Den kennen viel zu wenige“, bedauert sie. Dass sie viel sitzen muss, findet sie nicht schlimm. „Man kann ja zwischendurch immer mal wieder aufstehen, sich was zu trinken holen oder ganz gemütlich zur Toilette gehen“, verrät sie. Dabei lässt sie dann Schultern und Kopf kreisen, dehnt und reckt sich. „Für jemanden, der gern ständig in Bewegung ist, ist der Job nichts“, gibt sie zu. Aber solchen Kandidaten stehen ja noch jede Menge anderer spannender Handwerksberufe zur Verfügung.

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