Die Weißwurst gehört in Bayern zur Tradition. Doch was steckt drin, wie ist sie entstanden und worauf kommt es bei einer guten Weißwurst an? Diese Fragen kann uns die aktuelle Weißwurstkönigin Lena I. am besten beantworten.

Lena ist mit Herzblut bei der Sache. Deshalb stellte sie sich im November vergangenen Jahres zur Wahl der 6. Weißwurstkönigin. Und schlug die Konkurrenz aus dem Feld. Mit Diadem und Weißwurstzepter gekrönt ist sie nun für ein Jahr die Expertin schlechthin für alle Fragen rund um die Weißwurst.

Lena, warum wolltest du Weißwurstkönigin werden?

Viel zu wenige Leute wissen, wie super toll das Metzgerhandwerk ist. Als Weißwurstkönigin kann ich dafür Werbung machen, weil ich auf einigen Veranstaltungen bin und viele Menschen treffe. Ihnen kann ich dann erzählen, dass die Weißwurst eigentlich ja Münchner Weißwurst heißt. Das haben viele schon vergessen. Aber dort ist sie der Legende nach vor etwa 160 Jahren entstanden. Eigentlich war sie ein Fehlprodukt…

Tatsächlich?

Ja, es sollten Kalbsbratwürstchen hergestellt werden. Dem Münchner Metzger, der auch ein Wirtshaus hatte, gingen jedoch die Saitlinge (Schafsdärme) aus. Die Gäste warteten schon. Also musste er notgedrungen Schweinedärme verwenden. Die sind eigentlich zu zäh und zu groß für Bratwürste. Der Metzger füllte sie trotzdem mit der fertigen Masse. Danach briet er die Würste nicht, sondern brühte sie in heißem Wasser. Er hatte Bedenken, dass die Schweinedärme beim Braten platzen könnten. Fertig war die Münchner Bratwurst.

Was macht eine gute Weißwurst aus?

Sie muss innen fluffig locker sein und weiß. Grau geht gar nicht und zu fest auch nicht. Außerdem sollte sie einen Hauch zitronig schmecken und frische Petersilie enthalten. Grundsätzlich besteht die Masse aus Kalbfleisch, Schweinerückenspeck, gegartem Kalbskopffleisch, Eis-Schnee und Salz. Dann kommen noch Gewürze dazu wie Petersilie, Pfeffer, Zitronenpulver, Muskatblüte, Zwiebeln oder auch Ingwer und Kardamom. Da hat jeder Metzger sein eigenes Rezept.

Und wie isst man sie am besten? Zuzeln oder nicht zuzeln?

Ich persönlich esse sie mit Messer und Gabel. Dazu schneide ich sie seitlich auf und esse sie Stück für Stück, wobei ich sie aus der Haut schäle. So bleibt der Rest der Wurst warm.

Welches waren bis jetzt die Highlights deiner Regentschaft?

Am Spektakulärsten war für mich der Neujahrsempfang des Bayerischen Ministerpräsidenten in der Münchner Residenz. Da kommt man ja als Normalmensch nicht hin und schüttelt Herrn Söder die Hand. Außerdem war ich auf der Süffa in Stuttgart (wichtiger Treff der Fleischbranche, Anm. der Red.) und der Grünen Woche in Berlin. Und es stehen noch einige Termine in diesem Jahr an.

Viel Spaß dabei noch!

Magdalena (Lena) ist 20 Jahre alt und kommt aus Wildenholzen im oberbayerischen Landkreis Ebersberg. Obwohl ihre Familie die Metzgerei Heimann mit Filialen in Glonn, Grafing und Kirchseeon betreibt, hat sie erst einmal eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht. Letztendlich hat aber ihre Liebe zu Fleisch und Wurst gesiegt. Sie begann eine Lehre zur Metzgereifachverkäuferin im Geschäft ihrer Eltern. In diesem Jahr wird sie ihre Gesellenprüfung ablegen. Danach will sie im September mit der Fortbildung zur Verkaufsleiterin anfangen. Das ist vergleichbar mit dem Meister.

Noch Fragen? Viele Infos rund um das Metzgerhandwerk findest du in der Berufe-Wiki.