Weitblick, Ausblick, Einblick, Rundumblick – wer es lichtdurchflutet und hell mag, der verbaut in seinem Haus vor allem eines: Glas. Das kann Glaser Lukas bestens nachvollziehen.

Glas ist chic. Architekten lieben es. Kein Hotel, das etwas auf sich hält, ohne Panoramafenster in der Sauna. In den Zimmern trennen teilsatinierte Glaswände das Bad vom übrigen Raum. In vielen Büros können sich die Kollegen durch Glaselemente zuwinken. Und wer kennt sie nicht, die spektakulären Türme der Finanzwelt aus Glas und Stahl?

Während seiner Ausbildung bei Glas Eberle in Pfronten im Allgäu hat Lukas gelernt, das passende Glas für die jeweilige Anforderung auszuwählen. „Mal muss es wärmeisolierend sein, mal schalldämmend oder einbruchsicher“, weiß er. Lukas hat barocke Kirchenfenster restauriert und Scheiben an Wohnhäusern instandgesetzt. Er hat aber auch an Glasfassaden mitgebaut und Großraumduschen mit Beleuchtung installiert. Solche Projekte fand er am coolsten: „Je größer, desto besser“, grinst er. Trotzdem ist sein Gesellenstück filigran geworden.

Millimetergenau

Hier konnte er sein ganzes Können beweisen: Aus 117 Einzelteilen hat er ein atemberaubendes Glasbild zusammengesetzt. In teilweise leuchtenden Farben zeigt es den ägyptischen Gott Anubis. Damit hat er es in diesem Jahr bis in den Bundesentscheid des Leistungswettbewerbs der Handwerksjugend geschafft. „Das Knifflige daran war der Zuschnitt“, schildert Lukas. „Wäre nur ein Stück nicht hundertprozentig exakt gewesen, hätte ich das ganze Bild vergessen können. Dabei geht es um Millimeter.“ Das ist umso bemerkenswerter, weil Glas tatsächlich gar nicht geschnitten wird. Das, was wir als Glasschneider kennen, ritzt nur. „Der Glasschneider ist ein kleines stumpfes Metallrädchen, das über die Oberfläche läuft“, beschreibt Lukas. Entlang der geritzten Kontur wird das Glas dann gebrochen. Hat das Rädchen irgendwo eine Kerbe, und sei diese auch nur miniklein, kann es passieren, dass das Glas nicht an der gewünschten Stelle bricht.

Schablonen für die perfekte Kontur

Für sein Bild hat Lukas erst einen Entwurf gezeichnet. Dann hat er für jedes Teil eine Schablone angefertigt. Diese hat er aufs Glas gelegt und die Kontur mit einem Stift ganz fein nachgezeichnet. „Manche Kollegen kleben die Schablone auch mit Tesafilm aufs Glas und schneiden dann direkt darum herum“, erläutert Lukas. „Das macht jeder so, wie es für ihn am besten passt.“ Die einzelnen Teile des Bildes hat er mithilfe von Bleiruten zusammengesteckt. Die Bleiruten sind spezielle Profile, die die Glasstücke halten – komplett ohne Kleber. Einzig an den Stellen, an denen die Profile zusammentreffen, hat Lukas einen Lötpunkt gesetzt.

Hightech beim Glaser

Als Glaser kommt Lukas auch mit anderen Werkstoffen wie Holz, Metall und Stein in Berührung. So muss er schon mal einen Glasaufsatz an einer Granitsäule befestigen. Holz und Metall finden sich in den Fensterrahmen. Im Moment fertigt er für einen Juwelier Vitrinen aus zwölf Millimeter dickem Sicherheitsglas. Bei seinem neuen Arbeitgeber ist er nicht mehr so viel auf Montage wie während seiner Ausbildung. Dafür wird er noch lernen, mit softwaregesteuerten CNC-Maschinen zu arbeiten. Darauf freut sich Lukas schon sehr. „Der Beruf verändert sich ständig“, sagt er begeistert und empfiehlt: „Wer Glaser werden möchte, muss bereit sein, immer Neues zu lernen.“

Lukas ist übrigens Glaser mit Fachrichtung Verglasung und Glasbau. Daneben gibt es auch noch die Fachrichtung Fenster- und Glasfassadenbau. Mehr darüber erfährst du in der Berufe-Wiki.